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Neuer Cannabis-Beschluss 2026

Erste Cannabisfahrt: Wann darf die Behörde eine MPU verlangen?

Kurzantwort: Eine erste Fahrt unter Cannabiseinfluss rechtfertigt nicht automatisch eine MPU. Nach dem VGH München muss eine aussagekräftige Zusatztatsache hinzukommen, die das Risiko einer erneuten Cannabisfahrt ähnlich stark erhöht wie die gesetzlichen Regelbeispiele. Diese Tatsache muss die Behörde in ihrer Anordnung konkret benennen.

3,5 ng/ml und MPU sind zwei verschiedene Fragen

Der gesetzliche Grenzwert beantwortet deshalb nicht, ob eine MPU angeordnet werden darf oder wie sie ausgeht. Für die MPU zählen § 13a FeV, Anlage 4 FeV und die konkrete Akte.

Was entschied der VGH München am 20. Mai 2026?

Im Fall wurden nach einer Verkehrskontrolle 11 ng/ml THC und 70 ng/ml THC-COOH festgestellt. Die Behörde verlangte eine MPU und stützte die behauptete Zusatztatsache auf fehlende Ausfallerscheinungen trotz des THC-Werts. Daraus schloss sie auf Cannabismissbrauch und eine THC-Gewöhnung. Weil das Gutachten nicht vorgelegt wurde, entzog sie die Fahrerlaubnis.

Der VGH München stellte die aufschiebende Wirkung der Klage wieder her. Die Polizei hatte beim Romberg-Test ein starkes Körperschwanken festgehalten. Das wertete das Gericht als relevante Ausfallerscheinung, auch wenn der ärztliche Bericht bei der Blutentnahme kaum noch Auffälligkeiten nannte. Damit trug die Begründung der Behörde nicht.

Auch wenn man nur auf die Blutentnahme abstellte, reichte das nach Ansicht des Senats nicht. Der THC-Wert zur Fahrzeit dürfte zwar höher gewesen sein, lässt sich aber nicht belastbar zurückrechnen.

Die entscheidende Grenze: Das Gericht hat nicht entschieden, dass nach einer ersten Cannabisfahrt niemals eine MPU möglich ist. Es verlangt eine konkrete und tragfähige Zusatztatsache. Als Beschluss im Eilverfahren aus Bayern bindet die Entscheidung andere Gerichte nicht, und der Senat behielt die Frage einer Abweichung von den fachlichen Werten dem Hauptsacheverfahren vor.

Was kann eine Zusatztatsache sein?

Der Senat stützt sich auf ein Positionspapier der Fachgesellschaften für Verkehrspsychologie und Verkehrsmedizin (DGVP und DGVM) vom 12. September 2024. Danach können besondere Tatumstände auf eine ausgeprägte Gewöhnung, chronischen Konsum oder fehlendes Trennungsvermögen hinweisen. Zwei Beispiele nennt der Beschluss ausdrücklich:

  • eine sehr hohe THC-Konzentration von mindestens 15 ng/ml im Blutserum, bei der trotz zeitnahen Konsums keine Ausfallerscheinungen festgestellt wurden
  • die Kombination aus mindestens 8 ng/ml THC und mindestens 150 ng/ml THC-COOH, die auf chronischen, hochfrequenten Konsum hindeutet

Das sind keine gesetzlichen Grenzwerte und keine automatische MPU-Formel. Es kommt weiter auf Zeitpunkt, Messwerte, dokumentierte Auffälligkeiten, Konsumangaben und die Begründung der Behörde an.

Warum die Begründung der Anordnung so wichtig ist

Nach dem Beschluss musst du der Anordnung entnehmen können, was konkret der Anlass ist. Im Gerichtsverfahren zählt nur diese Begründung. Ergänzungen wirken nur, wenn sie dir vor dem Bescheid bekanntgegeben wurden. Ein objektiv vorhandener Anlass für Zweifel heilt eine mangelhafte Aufforderung nicht. Im Fall blieben deshalb eine frühere jugendgerichtliche Sache und das mögliche Konsumverhalten vor der Fahrt außer Betracht, weil die Anordnung sie nicht nannte.

Eine Gutachtenaufforderung kannst du nicht selbstständig anfechten. Sie wird erst überprüft, wenn du ihr nicht folgst und die Behörde daraus Konsequenzen zieht. Dieses Risiko solltest du nur nach anwaltlicher Beratung eingehen.

Wann § 13a FeV eine MPU vorsieht

Nach § 13a FeV ist ein medizinisch-psychologisches Gutachten insbesondere in folgenden Konstellationen vorgesehen:

  • Ein ärztliches Gutachten nennt Anzeichen für Cannabismissbrauch.
  • Sonstige Tatsachen begründen die Annahme von Cannabismissbrauch.
  • Es gab wiederholte Zuwiderhandlungen im Straßenverkehr unter Cannabiseinfluss.
  • Die Fahrerlaubnis wurde bereits aus entsprechenden Gründen entzogen.
  • Es soll geklärt werden, ob Missbrauch oder Abhängigkeit nicht mehr besteht.

Verstöße, die ausschließlich gegen § 24c StVG begangen wurden, zählen bei den wiederholten Zuwiderhandlungen nicht mit. Bei Tatsachen, die auf Cannabisabhängigkeit hindeuten, sieht die Vorschrift zunächst ein ärztliches Gutachten vor. Welche Variante greift, hängt von den Tatsachen und dem Schreiben der Behörde ab.

Vorsicht bei einem bereits vorgelegten negativen Gutachten

Ein zweiter Beschluss des VGH München vom 5. Mai 2026, Az. 11 CS 26.503, zeigt, was ein bereits vorgelegtes negatives Gutachten bewirken kann. Dort lagen 29 ng/ml THC und 155 ng/ml THC-COOH vor, und der Betroffene legte ein negatives Gutachten vor. Die Behörde durfte dieses schlüssige Gutachten als neue eigenständige Tatsache verwerten. Auf die Frage, ob die ursprüngliche Anordnung rechtmäßig war, kam es nach dem Gericht nicht mehr an.

Der Senat hielt außerdem fest, dass die Legalisierung die Eingriffsschwellen erhöht hat, die fachliche Bewertung des Konsumverhaltens aber nicht. Eine positive Prognose kann im Einzelfall weiter Abstinenz erfordern.

Ignoriere eine Frist deshalb nicht und hole vor wichtigen Erklärungen und vor dem Umgang mit einem negativen Gutachten rechtzeitig individuellen Rechtsrat ein. MPU-Vorbereitung ersetzt diese rechtliche Prüfung nicht.

Was in der Begutachtung zählt

Anlage 4a FeV beschreibt eine anlassbezogene Begutachtung, die sich an der behördlichen Fragestellung orientiert. Im Mittelpunkt steht die Prognose: Ist künftig zu erwarten, dass du Konsum und Fahren zuverlässig trennst, oder ist bei Abhängigkeit eine stabile Abstinenz belegt? Anlage 4 FeV verlangt nach beendetem Missbrauch, dass die Änderung des Konsumverhaltens gefestigt ist (Nr. 9.2.2).

Für eine tragfähige Vorbereitung solltest du deshalb beantworten können:

  • Wie sah dein tatsächlicher Konsumverlauf aus?
  • Warum kam es zur Fahrt oder zur fehlenden Trennung?
  • Was hast du seitdem konkret verändert?
  • Welche Regeln gelten heute in Risikosituationen?
  • Welche Nachweise passen zur behördlichen Fragestellung und deinem Verlauf?

Wie du diese Punkte aufarbeiten kannst, ist Thema der MPU-Vorbereitung bei Cannabis und Drogen.

Fünf Schritte nach dem Behördenschreiben

  1. Schreiben, Messbericht, Bußgeldbescheid und weitere Akten vollständig sichern.
  2. THC-Wert, THC-COOH-Wert, Auffälligkeiten, Konsumangaben und frühere Vorfälle getrennt notieren.
  3. Frist und genaue Rechtsgrundlage der Gutachtensanordnung sofort prüfen lassen.
  4. Keine pauschale Schlussfolgerung allein aus dem 3,5-ng/ml-Wert ziehen.
  5. Erst danach Vorbereitung und mögliche Abstinenznachweise passend zur Fragestellung planen.

Passende nächste Informationen

Amtliche Quellen

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