Warum die Fahrerlaubnis nicht automatisch zurückkommt
Wird die Fahrerlaubnis entzogen, erlischt sie: bei einer Entziehung durch die Behörde nach § 3 Absatz 2 StVG, bei einer Entziehung durch das Strafgericht nach § 69 Absatz 3 StGB mit Rechtskraft des Urteils. Das Ende einer gerichtlichen Sperrfrist bedeutet deshalb nur, dass ab diesem Zeitpunkt wieder eine neue Fahrerlaubnis erteilt werden darf. Ein neuer Führerschein wird nicht automatisch zugeschickt.
Du musst die Neuerteilung bei der nach Landesrecht zuständigen Fahrerlaubnisbehörde beantragen, in der Regel an deinem Wohnort. Für die Neuerteilung gelten nach § 20 Absatz 1 FeV grundsätzlich die Vorschriften für die Ersterteilung. Die Behörde prüft dabei erneut, ob die Voraussetzungen erfüllt sind.
Was ist der Unterschied zwischen Fahrverbot und Entziehung?
Ein Fahrverbot nach § 44 StGB dauert einen bis sechs Monate. Der Führerschein wird in dieser Zeit amtlich verwahrt, die Fahrerlaubnis erlischt aber nicht. Einen Antrag auf Neuerteilung brauchst du dafür nicht.
Bei einer Entziehung durch das Strafgericht kommt eine Sperre hinzu. Sie beträgt nach § 69a Absatz 1 StGB sechs Monate bis fünf Jahre und kann ausnahmsweise für immer angeordnet werden. Nach § 69a Absatz 7 StGB kann das Gericht die Sperre vorzeitig aufheben, wenn sich Anhaltspunkte dafür ergeben, dass du wieder geeignet bist. Das ist frühestens möglich, wenn sie drei Monate gedauert hat, in den Fällen des Absatzes 3 erst nach einem Jahr. Ob das bei dir in Betracht kommt, klärst du am besten anwaltlich.
Wann kann der Antrag gestellt werden?
Nach § 20 Absatz 4 FeV kann der Antrag frühestens sechs Monate vor Ablauf der Sperre gestellt werden. Ein früher Antrag schafft Zeit für Behördenwege, Unterlagen und mögliche Rückfragen. Er verkürzt die Sperrfrist aber nicht. Der ADAC rät, den Antrag Monate vor dem Ende der Sperrfrist zu stellen. In Großstädten könne es wegen längerer Bearbeitungszeiten nötig sein, die sechs Monate auszuschöpfen.
Für die Bearbeitungsdauer gibt es keinen deutschlandweit einheitlichen Wert. Frage deshalb früh bei deiner Behörde nach dem Ablauf.
Nach einer Entziehung wegen acht Punkten im Fahreignungsregister läuft die Frist anders: Die neue Fahrerlaubnis darf nach § 4 Absatz 10 StVG frühestens sechs Monate nach Wirksamwerden der Entziehung erteilt werden. Musst du den Führerschein abliefern, beginnt die Frist mit der Ablieferung.
Ist nach der Sperrfrist immer eine MPU nötig?
Nein. Das Ende der Sperrfrist entscheidet das nicht. Ob ein medizinisch-psychologisches Gutachten verlangt wird, hängt vom Entziehungsgrund, von der Akte und von den einschlägigen Vorschriften ab. Bedenken ergeben sich oft bereits aus den Registerauskünften, die die Behörde nach § 22 Absatz 2 FeV einholt. Das Verfahren richtet sich dann nach den §§ 11 bis 14 FeV. Häufige Grundlagen sind:
- Alkohol: Nach § 13 Satz 1 Nummer 2 Buchstabe d FeV wird ein Gutachten angeordnet, wenn die Fahrerlaubnis wegen Alkoholmissbrauchs, wiederholter Alkoholverstöße oder einer Fahrt ab 1,6 Promille entzogen war.
- Cannabis: § 13a Satz 1 Nummer 2 Buchstabe c FeV regelt das entsprechend bei einer Entziehung wegen Cannabismissbrauchs oder wiederholter Verstöße unter Cannabiseinfluss.
- Andere Drogen und Arzneimittel: War die Fahrerlaubnis aus Gründen des § 14 Absatz 1 FeV entzogen, ist nach § 14 Absatz 2 Nummer 1 FeV ein Gutachten anzuordnen.
- Mehrfache Entziehung, Verkehrsverstöße oder Straftaten: § 11 Absatz 3 Satz 1 Nummer 9 FeV erlaubt eine Anordnung bei der Neuerteilung, wenn die Fahrerlaubnis wiederholt entzogen war oder der Entzug auf Gründen der Nummern 4 bis 7 beruhte.
- Acht Punkte: Zum Nachweis der wiederhergestellten Eignung ordnet die Behörde nach § 4 Absatz 10 StVG in der Regel ein Gutachten an.
Wichtig ist deshalb die konkrete Fragestellung der Fahrerlaubnisbehörde. Sie zeigt, welche Eignungszweifel geklärt werden sollen und worauf deine Vorbereitung ausgerichtet sein muss. Der Ratgeber zur Fragestellung hilft beim Lesen des Schreibens. Eine lange Sperrfrist kannst du für die Vorbereitung nutzen. Die Vorbereitungsformate im Überblick zeigen, welche Begleitung es gibt. Bei einer Entziehung wegen Punkten passt die Vorbereitung auf die Punkte-MPU.
Welche Unterlagen werden gebraucht?
§ 21 Absatz 3 FeV nennt für den Antrag einen amtlichen Nachweis über Ort und Tag der Geburt, ein Lichtbild nach den Vorgaben der Passverordnung, einen Sehnachweis und einen Nachweis über eine Schulung in Erster Hilfe. Für die Lkw- und Busklassen kommen ein Eignungsnachweis und ein weitergehender Sehnachweis dazu.
Die Behörde holt außerdem auf deine Kosten Auskünfte aus dem Fahreignungsregister und dem Zentralen Fahrerlaubnisregister ein. Sie kann nach § 22 Absatz 2 FeV verlangen, dass du ein Führungszeugnis beantragst. Ordnet sie ein Gutachten an, musst du auch dieses fristgerecht vorlegen.
Verbindlich ist die Auskunft deiner Fahrerlaubnisbehörde. Kläre dort früh, welche Nachweise sie konkret verlangt, und reiche nur vollständige und echte Unterlagen ein.
Muss ich die Führerscheinprüfung noch einmal machen?
Das ist kein Automatismus. Nach § 20 Absatz 2 FeV ordnet die Behörde eine Prüfung an, wenn Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass dir die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten fehlen. Eine feste Zeitgrenze nennt die Vorschrift nicht. Frage bei einer langen Pause ohne Fahrerlaubnis bei deiner Behörde nach, wie sie damit umgeht.
Dein Ablauf in fünf Schritten
- Sperrfristende und zuständige Fahrerlaubnisbehörde klären.
- Bis zu sechs Monate vorher nach der konkreten Unterlagenliste fragen.
- Antrag auf Neuerteilung vollständig stellen.
- Behördliche Fragestellung und mögliche Nachweise genau prüfen.
- Falls eine MPU verlangt wird, dich anlassbezogen vorbereiten und auf Musterantworten verzichten.
Amtliche Quellen
- § 3 StVG: Entziehung und Erlöschen der Fahrerlaubnis
- § 4 StVG: Fahreignungs-Bewertungssystem
- § 69 StGB: Entziehung der Fahrerlaubnis
- § 69a StGB: Sperre für die Erteilung einer Fahrerlaubnis
- § 44 StGB: Fahrverbot
- § 11 FeV: Eignung
- § 20 FeV: Neuerteilung einer Fahrerlaubnis
- § 21 FeV: Antrag auf Erteilung
- § 22 FeV: Prüfung durch die Fahrerlaubnisbehörde
- ADAC: Vorbereitung auf die MPU
Quellen am 3. November 2026 abgerufen, § 69 StGB am 4. November 2026.
Ist bei dir eine MPU Teil der Neuerteilung?
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